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NEUE TÖNE - 70 Jahre Hamburger Bach-Preis (1950-2020) (DIGITAL)

Kategorie: Kirchenmusik, Stiftung Johann Sebastian, Veranstaltung
Startdatum: Sonntag, 21. Februar 2021, 18:00 Uhr
Ort: Digital

Das aus dem November verschobene Orgelkonzert NEUE TÖNE kann leider immer noch nicht mit Besuchern stattfinden. Darum bieten wir hierfür ersatzweise wieder eine Online-Fassung, zu der wir Sie herzlich einladen. Am 21.2. ab 18.00 Uhr wird das Video auf unserer Startseite und auf Youtube online zu sehen sein.

Orgelkonzertreihe mit Andreas Fischer

Johann Sebastian Bach: Fantasia et Fuga g, 6 Schübler-Choräle
Johann Nepomuk David: „Es ist ein Schnitter, heißt der Tod“

 

Anstelle eine Eintrittspreises freuen wir uns über eine kleine Spende i.H.v. 10 € an
Stiftung Johann Sebastian
IBAN: DE37 2019 0003 0008 8668 80

Wir hoffen, das nächste Konzert mit Musik von J.S.Bach und G. Ligeti, das zugleich Abschlusskonzert der Reihe ist, am 28.3. (Palmarum) um 18.00 Uhr wieder live in St. Katharinen mit Publikum stattfinden lassen zu können.

 

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Sechs Choräle von verschiedener Art (Schübler-Choräle)
„Wachet auf, ruft uns die Stimme“, BWV 645
„Wo soll ich fliehen hin“, BWV 646
„Wer nur den lieben Gott lässt walten“, BWV 647
„Meine Seele erhebt den Herren“, BWV 648
„Ach bleib‘ bei uns, Herr Jesu Christ“, BWV 649
„Kommst du nun, Jesu, vom Himmel herunter auf Erden“, BWV 650


Johann Nepomuk David (1895-1977)
Hamburger Bachpreisträger 1963
Partita „Es ist ein Schnitter, heißt der Tod/Dies irae"
Choralwerk X, 39, in memoriam Helmuth Hilpert

(mit Wiebke Veth, Sopran)


Johann Nepomuk David gehört zu den Komponisten des 20. Jahrhunderts, deren Œuvre einen gewichtigen Anteil von Orgelmusik aufweist. 1895 im oberösterreichischen Eferding geboren, war er, wie schon Anton Bruckner, von 1906 bis 1909 Sängerknabe im Augustiner-Chorherrenstift Sankt Florian und von 1909 bis 1912 Schüler am Stiftsgymnasium Kremsmünster. Von 1912 bis 1915 studierte er an der (katholischen) Bischöflichen Lehrerbildungsanstalt in Linz und war anschließend als Volksschullehrer tätig.
Von 1921 bis 1922 studierte er in Wien, danach leitete er in Wels den von ihm gegründeten Bach-Chor und war Organist an der evangelischen Christuskirche. 1934 bis 1945 war er Lehrer und Professor in Leipzig, nach dem Krieg am Salzburger Mozarteums. 1948 bis 1963 bekleidete er eine Professur in Stuttgart. Von 1949 bis 1952 war er außerdem Dirigent des Stuttgarter Brucknerchores und von 1950 bis 1953 Dirigent des Hochschulkammerorchesters, mit dem er u. a. ein vielfach beachtetes Konzert in Paris leitete.
David gilt als bedeutender Kontrapunktiker und stand vor allem unter dem Einfluss Bachs und Bruckners. Sein Choralwerk für Orgel bildet den größten zusammenhängenden Werkkomplex choralgebundener Orgelmusik nach Johann Sebastian Bach. Die Partita „Es ist ein Schnitter, heißt der Tod“, entstanden 1947, ist hieraus wiederum eines der umfangreichsten und bedeutendsten Stücke. David widmet das Werk in memoriam Helmuth Hilpert, seinem hochbegabten Schüler, der im November 1942 im Alter von 19 Jahren in Stalingrad gefallen war, ein Ereignis, das David zutiefst erschüttert hat. Grundlage der Komposition ist ein deutsches Volkslied aus dem 17. Jahrhundert, dessen erste Strophe lautet:

Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,
Hat Gewalt vom höchsten Gott,
Heut wetzt er das Messer,
Es schneidt schon viel besser
Bald wird er drein schneiden,
Wir müssens nur leiden.
Hüte dich schöns Blümelein!

David verschränkt das Lied mit dem gregorianischen Dies Irae, so dass eine totentanzähnliche Kolossalschau über Tod und Sterben entsteht. Die insgesamt sieben Sätze sind folgendermaßen aufgebaut:
1. zweistimmig, Liedmelodie im Bass, Figurationen in der Oberstimme
2. vierstimmig, Melodie in der Oberstimme, bewegte Gegenstimme im Alt
3. vierstimmig, Melodiefragmente in der Mittelstimme
4.Allegro, kräftig bewegt, zunächst Bass- dann Diskantdurchführung
5. „Dies irae“, zweistimmig, Vorstellung des gregorianischen cantus firmus im Diskant
6. längster und eindrucksvollster Satz des Werkes: im Bass malt ein ostinates Sprungmotiv mit Vorschlagsnoten den Tanz des Sensenmannes, darüber erklingt das „Diese irae“ im Kanon. Der folgende dreistimmige Abschnitt, in dem das Pedalmotiv pausiert, bringt das Volkslied in der Mittelstimme, das „Dies irae“ erklingt gleichzeitig verziert in der Unterstimme. Neuerlicher Eintritt des gregorianischen c.f. im Kanon und des Sensenmotivs im Pedal. Steigerung in Bewegung und Dynamik durch tumultuarische Sechzehntel-Figurationen und Akkordschläge, die das Volkslied fragmentieren, während im Doppelpedal erneut das „Dies irae“ erklingt.  Der abschließende Kombinationsteil bringt beide Melodien (das Volkslied im Tenor in der Vergrößerung, das „Dies irae“ im Diskant) und das Sensenmotiv im Pedal.
7. weich ausklingender, tröstlicher Schluss im Ton eines Wiegenliedes. Die Volkslied-Melodie liegt im Tenor, das „Dies irae“ ist nur noch in der ostinaten Wechselnote des Diskants präsent, die eine Totenglocke imitiert.